"Gedrucktes ist nicht out" 


Im Interview mit dem Leiter der Abteilung "Kommunikation+ Multimedia", des Bundesverbands der deutschen Zeitungsverleger. 

 

Quelle: Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger

Immer mehr Zeitungen wollen in Zukunft Geld für ihre Inhalte imNetz verlangen. Gedrucktes ist out. Sehen Sie in der gedrucktenAusgabe überhaupt noch eine Zukunft?

Fuhrmann: Gedrucktes ist keineswegs out. Die Zeitungen in Deutschland erreichen täglich mit ihren gedruckten Ausgaben rund 50 Millionen Menschen. Dazu kommen fast 28 Millionen regelmäßige Internetbesucher. Übrigens, für das Schmökern in der gedruckten Zeitung nehmen sich die Deutschen nach wie vor viel Zeit: Im Wochendurchschnitt 40 Minuten pro Tag, am Samstag sogar 44 Minuten.Mehr als 80 Prozent der Leser nutzen dabei mindestens die Hälfte aller Seiten. Die besondere Stärke der Zeitung, das hat uns jetzt wieder einmal eine Studie gezeigt, ist ihre lokale und regionale Kompetenz: 90 Prozent der Leser nutzen den Lokal- bzw.Regionalteil. Für die meisten Leser und auch die Nutzer im Internet ist ihre Zeitung das Sprachrohr in der Region, das zu lokalpolitischen Themen klar Stellung bezieht und Missstände aufdeckt. Die Zahlen belegen es: Die Zeitung ist für die Bürgerinnen und Bürger das mit Abstand wichtigste Medium, um sich am Wohnort zu orientieren. In diesem Zusammenhang sagen 70 Prozent der Bundesbürger, dass die Zeitung für sie unverzichtbar ist.

 

Aber Tatsache ist auch, dass die gedruckte Auflage der Zeitungen rückläufig ist. Wir verlieren seit Jahren im Schnitt etwa zwei Prozent an Auflage. Umso erfreulicher ist es, dass die Zahl derjenigen, die unsere Websites regelmäßig nutzen, enorm nach oben geht. Das ist sehr gut, allerdings haben die Zeitungsverlage noch ein Riesenproblem zu lösen: Es geht nämlich um die Frage, wie die Onlineangebote zukünftig finanziert werden können. Die Werbung alleine wird in den meisten Fällen dafür nicht ausreichen. Deshalb gehen jetzt immer mehr Verlage hin und nehmen auch für ihre Inhalte im Netz und auch für Apps auf Tablets wie dem iPad und auf Smartphones Geld. Das ist nicht ganz einfach, denn wir alle haben uns über viele Jahre hinweg daran gewöhnt, dass im Internet fast alles kostenlos ist. Hier müssen unsere Kunden umdenken.Erfreulicherweise deutet vieles darauf hin, dass den Menschen immer klarer wird, dass für guten Journalismus auch bezahlt werden muss. Auch deshalb schauen wir mit großem Optimismus in die Zukunft.

 


Die Umsätze der Verlage mit Werbung sind eingebrochen. Wie erklären Sie sich das?

Zunächst einmal steht fest, dass die Zeitung - übrigens ganz knapp hinter dem Medium Fernsehen - in Deutschland der zweitgrößte Werbeträger ist. Tatsache ist allerdings auch, dass wir in zehn Jahren fast 50 Prozent unserer Werbeumsätze verloren haben. Der Grund dafür liegt vor allem in den Möglichkeiten, die das Internet den Werbekunden bietet. Die so genannten Rubrikanzeigen -Immobilienanzeigen, Autoanzeigen, Stellenanzeigen, Familienanzeigen- waren vor der Erfindung des Internets die Domäne der Zeitung. Und sie waren die Säule des Anzeigengeschäfts der Zeitung. Jeder, der nach einem gebrauchten Auto sucht, oder nach einer neuen Mietwohnung Ausschau hält, weiß die Vorteile des Internets gegenüber dem gedruckten Medium zu schätzen. Kein Wunder, dass sich dieses Geschäft ins Internet verlagert hat. Dort trafen die Zeitungsverlage auf neue starke Konkurrenten wie Scout, Monster, Mobile.de und viele, viele andere. Dazu kam, dass die Umsätze, die im Internet mit Werbung zu erzielen sind, längst nicht so hoch sind, wie im gedruckten Medium. Zu all dem kommt noch, dass dieZahl derjenigen, die ein Stück vom Werbekuchen abhaben möchten,immer größer wird. Die Zahl der Fernsehsender und Radiostationen ist geradezu explodiert. Die Plakatwerbung hat sich enorm ausgebreitet. Gleiches gilt für die so genannte Direktwerbung - Prospekte, die in den Briefkasten gesteckt werden. Für die Zeitungsverlage ist es eine der ganz großen Herausforderungen, ihre Position als starker Werbeträger wieder auszubauen und an die früheren Erfolge anzuknüpfen.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zeitung als Informations- und Werbemedium noch eine große Zukunft vor sich hat.Dabei ist es letztlich völlig unerheblich, ob die Informationen auf Papier gedruckt, auf einem PC oder auf einem Tablet-Display oder auf einem Smartphone erscheinen. Die größte Kompetenz der Zeitungen ist es, professionell zu recherchieren, Informationen zusammenzutragen und den Menschen in interessanten Nachrichten,Reportagen, Kommentaren weiterzugeben. Das gilt für das große Weltgeschehen ebenso wie für die kleinen Ereignisse und Entwicklungen direkt vor der Haustür. In sofern sind die Zeitungen -gedruckt, online, mobil - so etwas wie Wegweiser und auch Ratgeberin einer immer komplexer werdenden Welt. Im Meer der Informationen,die in unterschiedlichster Qualität von allen Seiten auf unseinprasseln, sind sie so etwas wie Leuchttürme, an denen sich die Menschen orientieren können.

 

Vielen Dank für das Interview. 


 

 
 

 

 Im Radio-Interview mit den Kinderreportern von RadioBremen4 

 (Hier geht es zum Audio)